Elektrifizierung von Logistikdepots: Impulse, Herausforderungen und Perspektiven beim Energy Transport Forum in Frankfurt
Unsere Autoren Mick Meyer und Stefan Hahn waren zu Gast beim Energy Transport Forum in Frankfurt am Main. Veranstaltet wurde der Abend von energy partners, dem BGL und der SVG. Im Zentrum stand eine hochaktuelle Frage der Branche: Wie lassen sich Logistikdepots sinnvoll elektrifizieren? Wo liegen derzeit die größten Hürden? Und wie hoch ist der Marktanteil elektrischer Lkw tatsächlich?
Bereits vor dem Betreten der Location, dem Westhafenpier 1 in Frankfurt, wurde deutlich, worum sich an diesem Abend alles drehen würde: eLkw und Ladeinfrastruktur. Die Unternehmen ELMI Power und Sungrow präsentierten vor dem Gebäude ihre Ladelösungen, während direkt an der Straße ein elektrischer Truck von Renault zu sehen war. Auf dem Display einer ELMI-Ladesäule wurde die Depotlösung des Unternehmens vorgestellt, begleitet von einer Einladung von energy partners zum heutigen Forum.
Nach einem kurzen Empfang wurden die Gäste in den Vortragsraum geführt. Durch den Abend führte Anastasia Segovia Astorga, die die Veranstaltung souverän moderierte. Zum Auftakt stellte sie die beiden Gastgeber Matthias Giller von energy partners und Prof. Dr. Dirk Engelhardt vom BGL vor. Beide gaben mit ihren einleitenden Worten die Richtung des Abends vor: Elektrifizierung ist notwendig – doch wie kann sie gelingen und zu welchen Kosten?
Den ersten Fachvortrag hielt Roxanne Ruscheinsky von der 24-Autobahn-Raststätten GmbH. Sie eröffnete ihren Beitrag mit dem Tagesablauf eines eLkw-Fahrers und machte damit deutlich: Elektrifizierung funktioniert – nicht erst morgen, sondern schon heute. Die anschließend präsentierten Zahlen zeigten jedoch auch, dass dies bislang eher die Ausnahme als die Regel ist. Im Jahr 2025 lag der Anteil elektrisch zugelassener Schwerlastfahrzeuge bei lediglich 0,8 Prozent. Das entspricht rund 1.500 elektrischen Schwerlastfahrzeugen bei etwa 800 Ladestationen. Auf den ersten Blick scheint das Verhältnis nicht auf einen akuten Infrastrukturmangel hinzudeuten. Doch der Eindruck täuscht: Viele Ladepunkte befinden sich an strategisch ungünstigen Standorten und sind nur mit zusätzlichem Aufwand nutzbar – etwa dann, wenn ein Anhänger vor dem Ladevorgang abgekuppelt werden muss. Wie später auch Nano Janssen erläuterte, ist genau dieser Mehraufwand für viele Fahrer ein entscheidender Grund, vorerst beim Diesel zu bleiben.
Im Anschluss an diese gelungene Einführung folgte der Hauptteil des Abends: die Diskussionsrunde. Neben Prof. Dr. Dirk Engelhardt nahmen weitere Expertinnen und Experten auf dem Podium Platz, darunter Nils Kron (SVG), Tobias Christaller (Ares), Tassilo von Domarus (Renault Trucks), Stefan Hahn (ELMI Power) und Susanne Dachs (Wattkraft).
Die Diskussion war geprägt von einem Spannungsfeld zwischen innovativen Lösungsansätzen auf dem Podium und den praktischen Erfahrungen aus dem Publikum. Einerseits stehen günstigere Energiekosten im Betrieb in Aussicht, andererseits belasten Ladepreise von bis zu 80 Cent pro Kilowattstunde sowie hohe Anschaffungskosten die Wirtschaftlichkeit. Der Ausbau der Ladeinfrastruktur schreitet zwar voran, erfolgt jedoch vielfach nicht an den Standorten, die für logistische Abläufe tatsächlich relevant sind. Immer wieder kristallisierte sich dabei ein zentrales Thema heraus: Verfügbarkeit und Kosten.
Gerade an diesem Punkt konnten die Experten konkrete Perspektiven aufzeigen. Bezahlbare Ladeinfrastruktur ist längst kein Zukunftsszenario mehr, sondern wird zunehmend realisierbar. Mit zukunftsfähiger Planung, modularer Erweiterbarkeit und intelligenter Steuerung bietet ELMI Power bereits heute Lösungen, die unabhängig von langwierigen Netzausbauprozessen funktionieren. Grundlage dafür sind Speicherlösungen, die Leistungspreise senken, eine optimierte Energiebeschaffung ermöglichen und zugleich die Integration von Photovoltaik erleichtern.
Im Anschluss an die Diskussionsrunde ging es um Praxiserfahrungen. Im Dialog mit Matthias Giller berichtet Nano Janssen aus seinen Erfahrungen im Bereich der Elektrifizierung. Mit inzwischen mehr als 60 eLkw gehört die Spedition Janssen zu den Vorreitern der Branche. In seinem Vortrag schilderte Janssen anschaulich die Überlegungen, die ihn und seinen Vater dazu bewegt haben, frühzeitig diesen Weg einzuschlagen.
Nach den Vorträgen ging die Veranstaltung in den Networking-Teil über. Dort trafen Herausforderungen, Praxiserfahrungen und Lösungsansätze direkt aufeinander. Im Mittelpunkt standen erneut die Kosten von Neuanschaffungen sowie die nach wie vor spürbare Zurückhaltung vieler Unternehmen, sich von bewährten Diesellösungen zu lösen.
Der Abend machte deutlich, wo die Branche aktuell steht: mitten in einer Transformation. Die neuen Technologien sind noch nicht in jeder Hinsicht ausgereift und werden bestehende Lösungen nicht von heute auf morgen vollständig ersetzen. Doch Veranstaltungen wie das Energy Transport Forum schaffen genau den Raum, den es jetzt braucht: einen offenen Austausch über bestehende Probleme, konkrete Lösungsansätze und die Chance, gemeinsam den Wandel zu gestalten. Für mutige Unternehmen bietet sich schon heute die Möglichkeit, den ersten Schritt zu gehen – und damit zu Vorreitern einer neuen, elektrischen Logistik zu werden.

